Aus der Häslicher Ortschronik

Heute: Alte Sitten und Gebräuche (1)

Heute: Alte Sitten und Gebräuche (1)

Bei vielen Einwohnern ist es heutzutage üblich, dass am Wochenende Hausputz gemacht wird.
So war es auch schon früher. Der Sonnabend war den Hausfrauen und Mägden vorbehalten, um den Fußboden in ihren guten Stuben zu scheuern. Entsprechend deutscher Hausfrauenart wurden die Dielen und in Wirtshäusern und auch die hölzernen Tische blitzblank gescheuert. Anschließend streute man  auf die sauberen Dielen weißen Sand, damit die Stube lange rein bleibt und nicht vom Schmutz der Straßen, der an den Schuhen hereingetragen wurde, zu schnell verdreckte.
Dieser Sand wurde in regelmäßigen Abständen von einem Sandhändler angeliefert, auch Sandmann genannt. Er kam entweder mit einem Pferdefuhrwerk oder mit Handwagen. Aus den Häusern kamen die Frauen mit Eimern, um den begehrten Sand zu kaufen, abgemessen nach Liter bzw. Metzen (altes Hohlmaß zwischen 3,4 und 80 Liter).

Die Kinder scharten sich um den Sandmann und sangen das manchen heute noch bekannte Lied:

„Der Sandmann kommt, der Sandmann kommt, der Sandmann ist schon da!
Er hat so schönen weißen Sand, ist allen Leuten wohl bekannt.
Der Sandmann kommt, der Sandmann kommt, der Sandmann ist schon da!“

Die Sandmänner waren bis zum Ende des 19. Jahrhunderts in den Dörfern anzutreffen, auch in unserer Gegend.

Große Wäsche: Dreckige Wäsche und Waschmittel rein in den Vollautomat – Stecker in die Dose  -  Programm wählen – Wasserhahn auf – Start – so beginnt heute bei den meisten das Wäschewaschen. Und wenig später ist die Wäsche sauber, wenn man will fast trocken und braucht nur noch gebügelt oder gerollt zu werden, wenn überhaupt.
Vor zwei und mehr Generationen waren die Tage der Großen Wäsche für die Hausfrauen eine schwere und zeitaufwendige Arbeit. Es begann mit dem Einweichen der Kochwäsche. Diese wurde  in großen Kochtöpfen auf dem mit Holz oder Kohle beheizten Küchenherd in „Persil“-Waschlauge zum Kochen gebracht. Während des Kochens wurde die Wäsche mit einem hölzernen Waschstab nach unten gestukt.
Es folgte das Auskippen der schweren und heißen Töpfe in die auf zwei Böcken stehende Holzwaschwanne. Durch Zugabe von Kaltwasser oder durch natürliche Abkühlung wurde die Waschlauge auf etwa 40 ° C abgekühlt. Nun folgte der eigentliche Waschvorgang von Hand auf dem Waschbrett, dessen Waschfläche mit Rillen und Erhebungen versehen war. Jedes einzelne Wäschestück wurde durch kräftige Auf- und Abwärtsbewegungen gewaschen. Zur Erhöhung des Wascheffektes kam auch Schmierseife zum Einsatz. Danach wurde jedes Wäschestück von Hand ausgewrungen und  in eine zweite Waschwanne gelegt.
Jetzt folgte das „Wäscheschweifen“, das Spülen der Wäsche im Dorfteich oder im Bach. Auf einem Holzbrett knieend wurde wieder jedes Wäschestück einzeln, oft im eiskalten Wasser,  von Hand geschwenkt und wieder ausgewrungen. Ausgewählte Wäschestücke stärkte man danach mit in Wasser gekochtem Kartoffelmehl, bevor die Wäsche zum Trocknen auf die Leine gehängt werden konnte.
Im Sommer wurde die Weißwäsche nach dem Spülen und Stärken zum Bleichen auf Grasflächen im Garten ausgelegt und mit Wasser aus der Gießkanne besprengt. Die Kinder erhielten den Auftrag, die Wäsche vor freilaufendem  Federvieh zu schützen, was natürlich nicht immer gelang.
War die Wäsche endlich trocken, warteten entweder Bügelbrett und Bügeleisen oder Mantelbrett und Mantelrolle auf ihren Einsatz. Das Bügeln wurde meist von den Großmüttern übernommen. Es kamen Bügeleisen mit abnehmbarem Holzgriff (ohne Thermostat!) zum Einsatz, welche auf der Herdplatte erwärmt wurden. Eine gewisse Erfahrung gehörte schon dazu, um die Wäsche nicht zu versengen. Beim Wäschemanteln (Mangeln) wurde die Wäsche auf die Rolle gewickelt und beim Rollen auf einer Bank mit dem Mantelbrett kräftig gedrückt und geschlagen, bis das Stück glatt war.
Diese Technik wurde über einige Jahrhunderte hinweg angewendet, bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts und dem Einzug der Elektrizität.
War das Tagewerk der „Großen Wäsche“ vollbracht, waren Arme und Rücken ermüdet und schmerzten, die Hände ausgelaugt. Am schwersten hatten es jene Hausfrauen, die keine heranwachsenden Töchter und keine Omas zur Mithilfe hatten.
Wie sich doch die Zeiten geändert haben …

(J. S.)

Heute: Alte Flurbezeichnungen

Mit dieser sicher nicht ganz vollständigen Zusammenstellung sollen die alten Flurbezeichnungen von Häslich den Jüngeren nahe gebracht und den Älteren ins Gedächtnis zurückgerufen werden:
Als Kümmerholz wurde der Wald hinter den Wiesen bezeichnet, die sich hinter dem letzten Grundstück auf der rechten Seite Richtung Neukirch erstrecken. Er reicht im Norden bis zur Grenze zwischen Schwosdorfer und Häslicher Flur. Die Trebe (Viehtreibe) war der Weg, auf dem das Vieh über Rohrbach nach Wiednitz zum Viehmarkt getrieben wurde. Er führte auf der heutigen Bergstraße bis zum Grundstück Nr. 30, biegt dort links ab und führt geradeaus bis zur Reichenbacher Flur. Der Waldstreifen links entlang der Straße nach Schwosdorf wurde bis zur Aufteilung des gräflichen Besitzes 1945 Viebigstreifen genannt.
Seestück war das Land, welches zwischen Prellweg und dem früheren Sparmannschen Grundstück liegt, zwischen Steinbruch Prelle und Wald. Der sich in nördlicher Richtung bis zum Kleinen Schäfereiteich anschließende Wald war der Seebusch. Sein südlicher Teil wurde 1928 abgeschlagen, 1930 neu aufgeforstet und im Zuge der Bodenreform an landarme Bauern aufgeteilt. Prelle nennt man im Volksmund noch heute den ehemaligen Steinbruch Niethe an der Dorfstraße, gegenüber dem alten Rittergut (heute Partyservice Dickerchen). Während man den Weg vom Hofeingang des Rittergutes bis zum Großen Schäfereiteich als Prellweg bezeichnete, hieß der Weg von der jetzigen Einfahrt zum Steinbruchmuseum Richtung Bergstraße 24 (heute Rudolph) Mühlweg. Diesen Weg, den es heute nicht mehr gibt, nutzten die Schwosdorfer Bauern auf der Fahrt zur Häslicher Mühle.
Die Große Queige war ein Steinbruch zwischen Prelle und dem heutigen Weg An der Halde. Sie stand ab 1920 unter Wasser und wurde später zugeschüttet. Die Kleine Queige grenzte nordöstlich daran, sie wurde in den 30-er Jahren des 20. Jahrhunderts verfüllt.
Der Marktweg verlief entlang der Flurgrenze zu Schwosdorf. Er reichte vom Kümmerholz bis zur Flur Lückersdorf-Gelenau. Auf diesem trugen die Einwohner ihre Waren zum Wochen- und Jahrmarkt nach Kamenz oder ihre Ersparnisse zur Sparkasse. Die Wiesen rechts des Großen Schäfereiteiches sowie der nordöstlich angrenzende Wald wurden als Moselbruch bezeichnet.
Weinberg hieß die Flur rechts des Prellweges hinter den Mehrfamilienhäusern am Bischheimer Weg. Man nimmt an, dass an diesem Südhang früher Wein angebaut wurde. Hustig's Wiesen befanden sich entlang des Bischheimer Weges; sie stammten vom Hustig'schen Gut, heute Bischheimer Weg 6 und 7.
Niederstreifen wurde das Land der Bauern des Oberdorfes genannt, welches sich von der Reichenbacher Straße bis zur Flur Niederlichtenau erstreckte. So hießen die Ländereien südöstlich der Flächen des Großbauern Mager „auf Gliemann's", weiter im Oberdorf entsprechend „auf Pofandt's" oder „auf Barth's", obwohl deren Besitzer bereits vor vielen Jahrzehnten gewechselt hatten. Während man die Wiesen beiderseits der Straße nach Reichenbach, außerhalb des Ortes vor dem Eichbusch, „auf Müller's" nannte,weil sie im Besitz des Mühlenbesitzers waren und noch sind, hießen die südlich des Eichbusches gelegenen „Stöckicht". Hier soll früher Torf gestochen worden sein.
Der „Pferdegarten" lag in der Dorfaue und erstreckte sich unterhalb der ehemaligen Konsum-Verkaufsstelle (heute Meißner) bis zum Haselbach. Die Wiesen zwischen Pferdegarten, dem Haselbach, dem Schulweg und den Grundstücken an der Bergstraße hießen „Brömer- oder Ochsenwiese". Diese Wiese wurde stets von dem Bauern bewirtschaftet, der den Zuchtbullen halten musste, denn jedes Jahr war ein anderer an der Reihe.
Die Straße nach Neukirch war der „Scherweg", nach Reichenbach der „Querweg" und der Seitenweg nach Bischheim der „Kirchweg", weil hier die Häslicher zur Kirche gingen.
Die Bergstraße, von der Einmündung in die Reichenbacher Straße bis zur Fleischerei Richter, war die „Gasse". Die Straße Am Mühlberg zum ehemaligen Steinbruch AG wurde als Prager Straße bezeichnet, wahrscheinlich wegen ihrer Breite und ihrer etwaigen Richtung. Der Mittelweg entlang des Baches war der „Schulweg". Vor dem Bau der Häslicher Schule im Jahre 1884 war dieser nur ein Fußweg, genannt „Mühlsteg", weil die Einwohner des Niederdorfes hier ihr Getreide mit dem Einrad (Schiebbock) zur Mühle fuhren.
Noch im Jahr 1721 soll am Grundstück Nr. 40 (heute Baumgartner) eine Wassermühle mit zwei Gängen gestanden haben, wodurch auch der Mühlberg seinen Namen erhielt. (J.S.)
Mit dieser sicher nicht ganz vollständigen Zusammenstellung sollen die alten Flurbezeichnungen von Häslich den Jüngeren nahe gebracht und den Älteren ins Gedächtnis zurückgerufen werden:
Als Kümmerholz wurde der Wald hinter den Wiesen bezeichnet, die sich hinter dem letzten Grundstück auf der rechten Seite Richtung Neukirch erstrecken. Er reicht im Norden bis zur Grenze zwischen Schwosdorfer und Häslicher Flur. Die Trebe (Viehtreibe) war der Weg, auf dem das Vieh über Rohrbach nach Wiednitz zum Viehmarkt getrieben wurde. Er führte auf der heutigen Bergstraße bis zum Grundstück Nr. 30, biegt dort links ab und führt geradeaus bis zur Reichenbacher Flur. Der Waldstreifen links entlang der Straße nach Schwosdorf wurde bis zur Aufteilung des gräflichen Besitzes 1945 Viebigstreifen genannt.

Seestück
Die Große Queige war ein Steinbruch zwischen Prelle und dem heutigen Weg An der Halde. Sie stand ab 1920 unter Wasser und wurde später zugeschüttet. Die Kleine Queige grenzte nordöstlich daran, sie wurde in den 30-er Jahren des 20. Jahrhunderts verfüllt.

Der Marktweg verlief entlang der Flurgrenze zu Schwosdorf. Er reichte vom Kümmerholz bis zur Flur Lückersdorf-Gelenau. Auf diesem trugen die Einwohner ihre Waren zum Wochen- und Jahrmarkt nach Kamenz oder ihre Ersparnisse zur Sparkasse. Die Wiesen rechts des Großen Schäfereiteiches sowie der nordöstlich angrenzende Wald wurden als Moselbruch bezeichnet.

Weinberg

Niederstreifen
Der „Pferdegarten" lag in der Dorfaue und erstreckte sich unterhalb der ehemaligen Konsum-Verkaufsstelle (heute Meißner) bis zum Haselbach. Die Wiesen zwischen Pferdegarten, dem Haselbach, dem Schulweg und den Grundstücken an der Bergstraße hießen „Brömer- oder Ochsenwiese". Diese Wiese wurde stets von dem Bauern bewirtschaftet, der den Zuchtbullen halten musste, denn jedes Jahr war ein anderer an der Reihe.

Die Straße nach Neukirch war der „Scherweg", nach Reichenbach der „Querweg" und der Seitenweg nach Bischheim der „Kirchweg", weil hier die Häslicher zur Kirche gingen.

Die Bergstraße, von der Einmündung in die Reichenbacher Straße bis zur Fleischerei Richter, war die „Gasse". Die Straße Am Mühlberg zum ehemaligen Steinbruch AG wurde als Prager Straße bezeichnet, wahrscheinlich wegen ihrer Breite und ihrer etwaigen Richtung. Der Mittelweg entlang des Baches war der „Schulweg". Vor dem Bau der Häslicher Schule im Jahre 1884 war dieser nur ein Fußweg, genannt „Mühlsteg", weil die Einwohner des Niederdorfes hier ihr Getreide mit dem Einrad (Schiebbock) zur Mühle fuhren.
Noch im Jahr 1721 soll am Grundstück Nr. 40 (heute Baumgartner) eine Wassermühle mit zwei Gängen gestanden haben, wodurch auch der Mühlberg seinen Namen erhielt. (J.S.)
wurde das Land der Bauern des Oberdorfes genannt, welches sich von der Reichenbacher Straße bis zur Flur Niederlichtenau erstreckte. So hießen die Ländereien südöstlich der Flächen des Großbauern Mager „auf Gliemann`s", weiter im Oberdorf entsprechend „auf Pofandt`s" oder „auf Barth`s", obwohl deren Besitzer bereits vor vielen Jahrzehnten gewechselt hatten. Während man die Wiesen beiderseits der Straße nach Reichenbach, außerhalb des Ortes vor dem Eichbusch, „auf Müller`s" nannte,weil sie im Besitz des Mühlenbesitzers waren und noch sind, hießen die südlich des Eichbusches gelegenen „Stöckicht". Hier soll früher Torf gestochen worden sein. hieß die Flur rechts des Prellweges hinter den Mehrfamilienhäusern am Bischheimer Weg. Man nimmt an, dass an diesem Südhang früher Wein angebaut wurde. Hustig`s Wiesen befanden sich entlang des Bischheimer Weges; sie stammten vom Hustig`schen Gut, heute Bischheimer Weg 6 und 7. war das Land, welches zwischen Prellweg und dem früheren Sparmannschen Grundstück liegt, zwischen Steinbruch Prelle und Wald. Der sich in nördlicher Richtung bis zum Kleinen Schäfereiteich anschließende Wald war der Seebusch. Sein südlicher Teil wurde 1928 abgeschlagen, 1930 neu aufgeforstet und im Zuge der Bodenreform an landarme Bauern aufgeteilt. Prelle nennt man im Volksmund noch heute den ehemaligen Steinbruch Niethe an der Dorfstraße, gegenüber dem alten Rittergut (heute Partyservice Dickerchen). Während man den Weg vom Hofeingang des Rittergutes bis zum Großen Schäfereiteich als Prellweg bezeichnete, hieß der Weg von der jetzigen Einfahrt zum Steinbruchmuseum Richtung Bergstraße 24 (heute Rudolph) Mühlweg. Diesen Weg, den es heute nicht mehr gibt, nutzten die Schwosdorfer Bauern auf der Fahrt zur Häslicher Mühle.

Heute: Die Hochzeit früher

Früher war vieles anders. Bis ins 18. Jahrhundert hinein besaßen die Fronherren das sogenannte „Recht der ersten Nacht". Die Braut musste (oder durfte?) die Nacht vor ihrem Hochzeitstag beim Fronherren oder dessen Sohn verbringen.
Man hat sich früher erzählt, dass August der Starke, der von 1670 bis 1733 lebte und Kurfürst von Sachsen und König von Polen war, auf diese Weise zu den ihm nachgesagten mehr als 350 Kindern gekommen sein soll. Wann dieses Recht in unserer Gegend aufgehoben wurde, lässt sich nicht nachweisen.Bei den Bauern legten meist die Eltern das künftige Ehebündnis des Sohnes bzw. der Tochter fest. Handelte ein Bauernsohn nicht nach dieser Absprache, wurde er vom Erbe ausgeschlossen.
Vor dem 1. Weltkrieg hatte bei der Festlegung des Hochzeitstermins der Aberglaube die Hand im Spiel. Man achtete darauf, dass nicht bei abnehmendem Mond und möglichst auch nicht im Tierkreiszeichen Krebs oder Löwe geheiratet wurde.3 Wochen vor der Hochzeit wurde auf dem Standesamt das Aufgebot bestellt. Das Aufgebotsformular wurde dann 14 Tage öffentlich im Standesamt ausgehängt.Braut und Bräutigam mussten das 21. Lebensjahr erreicht habn. War das nicht der Fall, musste der Vater oder Vormund beim Standesbeamten schriftlich seine Einwilligung geben.
Mindestens zwei Trauzeugen waren vonnöten. Fanden zwei standesamtliche Trauungen hintereinander statt, durften sich die Brautpaare nicht begegnen. Meist sprachen es die Hochzeitseltern untereinander ab, denn eine Begegnung mit einem anderen Hochzeitspaar bedeutete Unglück. Ebenso war es bei kirchlichen Trauungen. Das Brautpaar durfte nicht an einem ausgehobenen Grab vorbeigehen. Die Chronik berichtet von einem Fall, wo der Bus mit der Hochzeitsgesellschaft nicht an dem am Wege liegenden Friedhof vorbeifuhr, sondern einen Umweg nahm.Zum Polterabend am Abend vor der Hochzeit brachten meist nur 6 Jugendliche, die die Ranke gewickelt und aufgehängt hatten, einige Scherben mit und polterten nur kurz. Während der Hochzeitsfeier, die nach der kirchlichen Trauung stattfand, wurde darauf geachtet, dass das Hochzeitspaar unter oder vor einem Spiegel Platz nahm. Die Hochzeitsmutter hatte heimlich einen Kanten Brot dahinter versteckt, damit das junge Paar nie Hunger leiden soll.
Das Brautkleid war normalerweise schwarz. Ein blaues Kleid wurde als Tränenkleid bezeichnet.Nach dem 1. Weltkrieg trug die Braut dann meistens ein weißes Brautkleid, was sich mit Ausnahmen bis in die heutige Zeit überliefert hat. Hatte die Braut bereits ein uneheliches Kind, durfte sie nicht in weiß heiraten.Während des 1. und 2. Weltkrieges gab es Kriegstrauungen, bei denen der Bräutigam in Uniform ging. Neu waren im 2. Weltkrieg Ferntrauungen, bei denen der Bräutigam überhaupt nicht anwesend war. War er bei der kämpfenden Truppe, durfte er diesen Tag beim Tross, dem Gefolge, verbringen. Bei der Trauung zu Hause wurde der Stuhl des Bräutigams mit einem Stahlhelm belegt, der bei der nächstgelegenen Garnison ausgeliehen wurde. Zum Zeitpunkt der Trauung zu Hause hielt der Kompaniechef vor dem Bräutigam und ein paar Kameraden eine kurze Rede, in der er auf die Bedeutung dieses Tages und die Notwendigkeit einer Ferntrauung hinwies.
Ab Anfang 1956 fiel das Aufgebot weg. Niemand richtete sich mehr nach Mond oder Tierkreiszeichen. Es genügte, wenn die Brautleute das 18. Lebensjahr erreicht hatten.
Ab 1956 gab es sozialistische Eheschließungen, von denen hauptsächlich Bürger Gebrauch machten, die keiner Religion oder Glaubensgemeinschaft angehörten. Die Betriebe, in denen die Brautleute arbeiteten, übernahmen teilweise die Kosten für Ausgestaltung und Musik und stellten Abordnungen zur Eheschließung im Standesamt.
Egal ob kirchliche oder standesamtliche Trauung, ein Polterabend gehörte einfach dazu. Dieser nahm im Laufe der Jahrzehnte immer größere Ausmaße an. 100 Gäste und noch weit mehr waren und sind dabei: ganze Brigaden aus den Betrieben, Abordnungen der Vereine und ein großer Teil der Dorfjugend brachten ganze Hängerladungen voll Tonwaren und anderweitiges Poltergut und polterten, aßen, tranken und tanzten die halbe oder ganze Nacht. Meist fand der Polterabend dann auch bereits donnerstags statt, damit der „Frei"-tag blieb, um wegzuräumen und sich auf den Hochzeitstag vorzubereiten.
In der Zeit seit der Wiedervereinigung Deutschlands bis Juni 1998 war entsprechend bundesdeutschem Gesetz das Aufgebot wieder notwendig. Seitdem ist es abgeschafft.
Es ist heute auch nicht unüblich, die Hochzeit irgendwo an einem schönen Fleckchen im kleinen Familien- oder Freundeskreis zu feiern, um Trubel und Kosten in Grenzen zu halten.
Ab der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts setzte es sich mehr und mehr durch, die Hochzeit in einer Gaststätte zu feiern und nicht mehr wie früher zu Hause.
Und wie unterschiedlich Hochzeiten heute hierzulande gefeiert werden, ist wohl weitgehend bekannt.


Quelle: Häslicher Ortschronik von Paul Muschke


Gleichzeitig ergeht an alle Einwohner Häslichs folgende Bitte: Wer alte, ortsgeschichtlich interessante Gegenstände, Schriftstücke, Urkunden, Fotos (z. B. von Steinbrüchen, Halden, Haselbach) und dgl. im Besitz hat bzw. findet, wird hiermit gebeten, sich beim Ortschronisten Jürgen Schäfer zu melden.
Ebenso werden nochmals alle Hausbesitzer, deren Haus 100 Jahre und älter ist, gebeten, ein Foto ihres alten Hauses leihweise zur Verfügung zu stellen. Dieses soll eine „Hausgalerie" als Teil der Ortschronik komplettieren. (J.S.)

Zu den früheren Beinamen im Ort

Wie vielerorts wurde auch in Häslich früher den Bewohnern ein Beiname gegeben. Hier sollen einige dieser überlieferten Namen ins Gedächtnis gerufen werden:

Wie vielerorts wurde auch in Häslich früher den Bewohnern ein Beiname gegeben. Hier sollen einige dieser überlieferten Namen ins Gedächtnis gerufen werden:


  • Haus Nr. 3 (August Kühne, heute Fam. Jürgel) nannte man "Schlappenkühne"; wahrscheinlich hat einer der Vorfahren Pantoffeln hergestellt.
  • Haus Nr. 12 (Traugott Schmidt, heute Reiner Paditz) hieß bei "Traugott's", damit die Schmidt's besser zu unterscheiden waren.
  • Haus Nr. 13 (Gastwirt Reinhold Richter, heute Johannes Richter) war und ist noch heute der "Platen", weil der damalige Besitzer, der einen Kahlkopf hatte, von den in den Steinbrüchen arbeitenden Bayern Platen genannt wurde.
  • Haus Nr. 19 (Edwin Barth, heute Siegfried Zech) war der "Windmacher", da dieser bei jeder Angelegenheit immer sehr aufschnitt.
  • Haus Nr. 19b (Gastwirt Rudolf Rudolph, heute Friedrich Rudolph). Die Gastwirtschaft nannte man das "Kamel"; wahrscheinlich stammte der Ausspruch vom früheren Besitzer Richard Rudolph.
  • Haus Nr. 19c (Hellmuth Menschner, heute Fritz Menschner) hieß "Leim". Man sagte, er habe Leim an der Hose, weil er immer als Letzter das Gasthaus verließ.
  • Haus Nr. 20b (Schmied Emil Johne, heute Adolar Johne) hieß "Bonjott"; eine Erklärung hierfür fehlt.
  • Haus Nr. 21 (Heinz Rietschel, heute Dieter Berndt) nannte man bei "Schweineschneiders", weil der frühere Besitzer Bruno Schäfer und einige seiner Söhne Viehkastrierer waren.
  • Haus Nr. 22 (Melanie Menschner, heute Liesel Seifert) wurde "Nettels" genannt, da der frühere Besitzer Alwin Rietschel in der Kapelle die Klarinette spielte.
  • Haus Nr. 25 (Walter Rocks, heute Fam. Rafelt) hieß bei "Tambours". Der frühere Besitzer Alwin Todtermuschke war als aktiver Soldat Tambour (Trommler).
  • Haus Nr. 27 (Kothig, heute Frieder Melzer) nannte man "Gentsch-Rich-ter's", wahrscheinlich nach den ehemaligen Besitzern.
  • Haus Nr. 28 (Adele Janatschke, heute 4-Seithof) wurde "Johnen-Richters-Lau" genannt, wahrscheinlich nach den vorherigen Besitzern.
  • Haus Nr. 32 (Pofandt's Erben, heute Andre Lehmann) hieß aus gleichem Grund "Repp's-Prescher's".
  • Haus Nr. 33 (Rat der Gemeinde, heute Eberhard Paditz) hieß "Gliemen-Richter", weil der ehemalige Besitzer August Richter vorher beim Bauer Gliemann im Auszugshaus wohnte.
  • Haus Nr. 36b (Erwin Träber, heute Helga Schäfer) hieß "Träber im Felde", weil es an der Reichenbacher Straße vom Ortseingang bis zur Einmündung der Dorfstraße das einzige Gebäude auf der rechten Straßenseite war.
  • Haus Nr. 36d (Reppe's Erben, heute Hans Schäfer) waren "Schusterreppe's"; wahrscheinlich war einer der Vorfahren Schuhmacher.
  • Haus Nr. 39 (Paul Hermann, heute Hardy Kühne). Die Mutter von Paul Hermann hieß "Bannerlore", angeblich war ihr Vater Bannerträger gewesen.
  • Haus Nr. 40 (Maria Förster, heute Eveline Baumgartner) Sein Erbauer war Bruno Großmann, genannt "Balsam". Wenn er einen über den Durst getrunken hatte, sagte er, der Alkohol sei Balsam.
  • Haus Nr. 42 (Hermann Menschner, heute Jürgen Schäfer) waren "Schneiderliebs", weil von 3 Generationen vorher das Schneiderhandwerk betrieben wurde.
  • Haus Nr. 42b (Mager's Erben, heute Manfred Grimm) wurde nach seinem Erbauer bei "Ullrich's" genannt.
  • Haus Nr. 42d (Schneidermeister Max Schmidt, heute ?). Um die Schmidts auseinanderzuhalten, hieß es hier nach dem Erbauer bei "Gustav's".
  • Haus Nr. 43 (Walter Hommel, heute Andreas Hommel) war nach einem früheren Besitzer bei "Franke's".
  • Haus Nr. 44 (Erwin Reppe, heute Ludwig Reppe/Gerd Vetter) wurde "Viebig-Reppe" genannt, weil der Weg am Grundstück über den Viebig nach Niederlichtenau führte.


(Auf der Grundlage der Häslicher Ortschronik von Paul Muschke niedergeschrieben von Jürgen Schäfer, Ortschronist)

Zur Entstehung des Ortsnamens 300 Jahre Häslich

Erstmals genannt wurde der Ort Häslich im Jahre 1338 unter der Herrschaft der Herren von Kamenz unter dem Namen Hezelech; es gehört zur Kirchgemeinde Bischheim.Um 1380 heißt der Besitzer des Dorfes Henricus de Hezelecht, was so viel bedeutet wie Haselgesträuch.Durch brüderliche Sonderung gelangte Hezelecht 1417 in den Besitz von Heinrich, Herr von Kamenz auf Pulsnitz.1453 ist im 14. Buche Wladislaws Schloss und Stadt Pulsnitz genannt, wobei Thiemendorf und Heselicht als Lehen erwähnt sind.Caspar von Schlieben zu Pulsnitz tritt in Vollmacht seines Bruders das Gut Heselicht 1534 in Erbteilung an seine Brüder Balthasar und Eustachius ab.1580 gehört das Gut Heselich zur Herrschaft Pulsnitz, des Obersten Herrn Wolf von Schönberg.Bis 1603 blieb Heselich im Besitz von verschiedenen Pulsnitzer Gutsherrschaften, gelangte danach in den Besitz der Herren von Brauna.Wolf Georg von Schönberg auf Brauna besitzt 1612 u.a. die Orte Haselicht und Rohrbach.1637 erhält Hans Wolf von Schönberg das Gut Häselich.Und genau am 8. Dezember 1706 war es, als der Ort erstmals in seiner heutigen Schreibweise genannt wird, nämlich als Herr Wolf Georg von Schönberg stirbt und seiner Tochter, Frau Sallone von Dallwitz, Häslich vererbt.Also feiern die Häslicher Einwohner an diesem Tag den 300. Geburtstag ihres Ortsnamens!Jürgen Schäfer, Ortschronist