Reichenbach - historischer Überblick

Reichenbach ist von seiner Anlage her ein typisches Kolonistendorf, das als Waldhufendorf angelegt wurde und das wohl in der ersten Kolonialisationsperiode im 10. Jahrhundert entstanden ist. Dafür sprechen verschiedene historische Hinweise. Eine erste Erwähnung findet Reichenbach allerdings erst in zwei Urkunden aus dem Jahre 1248, als das Kloster St. Marienstern von den Herren von Kamenz gestiftet wurde. Unter den vielen Zeugen tritt auch der ehrbare Ritter Walterus de Richenbach als Vasall derer von Kamenz auf.
Deshalb feierte Reichenbach 1998 sein 750jähriges Bestehen.
Es wird angenommen und viele Merkmale der hiesigen Sprache sind Zeugnis dafür, dass die Gründer Reichenbachs vom Rhein oder aus dem Schwarzwald kamen und fränkischen Ursprungs sind. Die 54 Orte mit dem Namen Reichenbach in Deutschland, ziehen sich vom Südschwarzwald bis in die Oberlausitz in einem breiten Streifen und zeigen damit gleichsam die Besiedlungsrichtung an. Zudem liegt Reichenbach an der in früherer Zeit wichtigsten Ost-West Handels- und Heeresstraße, der Via regia, heute zumeist als Alte Poststraße bezeichnet, die aus dem Rheinland kommend über Riesa - Königsbrück - Kamenz - Bautzen - Görlitz - Breslau in den Orient führt. Heute ist die Via regia z. T. nur noch ein Wanderweg.
Durch Reichenbach führt seit 1241 die Grenze der Oberlausitz; die Pulsnitz ist der Grenzfluss. Daher gibt es seit dieser Zeit eine Oberlausitzer und eine Meißner Seite. Die Lehnsherren mit Namen von Reichenbach (de Richenbach) lassen sich bis zum Jahre 1443 nachweisen.
Aber bereits 1438 gehört der Rittersitz Reichenbach dem Herrn von Lüttichau, der 1440 von Hans von Schönbergk, samt Oberlausitzer Anteil, gekauft wird. Die Schönbergksche Familie besaß Reichenbach neben vielen anderen Dörfern bis zum Jahre 1590. Danach ging der Besitz in die Hände der Familie von Theler zu Pottschappel über. Zwischenzeitlich war auch ein Herr Bock zu Klingenhausen und Salhausen Mitbelehnter auf Reichenbach.
1638 kauften die Brüder Wolf und Nicol von Ponikau das Reichenbacher Rittergut für 15800 Taler. Vermittler war dabei Hans Friedrich von Knoch, der Schwiegersohn des Caspar von Ponikau. Dessen Sohn verkaufte 1685 Reichenbach an Friedrich Adolph von Haugwitz, von ihm kaufte es 1693 Hans Ernst von Knoch, der bereits Elstra besaß. Seitdem war Reichenbach mit Elstra verbunden.
Die Familie von Knoch erlosch 1787 in männlicher Linie und Reichenbach kam über weibliche Linien an Christian Friedrich von Rex. 1802 erlosch auch diese Linie.
Nun folgte in weiblicher Linie Johann Heinrich Wilhelm Gustav von Hartmann-Knoch bis 1851. Danach war sein jüngerer Bruder bis 1865 Herr auf Reichenbach, Gustav von Hartmann. Weiter folgte der Enkel des Joh. Heinr. Wilhelm Gustav Hartmann von Knoch. Da er geisteskrank war, übernahmen verschiedene Vormünder die Verwaltung des Gesamtbesitzes (u.a. Rudolf von Bünau, Kurt von Arnim, Herr von Grothe).
Von 1890 - 1907 war das Reichenbacher Rittergut an Hans Bode verpachtet, dann an die Dünger-Handels-Export-AG Dresden, die es bis 1938 bewirtschaftete.
1919 wurde das Hartmann-Knochsche Majorat, zu dem Elstra, Gödlau, Koitzsch, Reichenau und Reichenbach gehörten, aufgelöst.
Die Reichenbacher Besitzungen kaufte 1938 Curt Kliemann.
1945 übernahm die Rote Armee die Bewirtschaftung und anschließend fiel das gesamte Rittergut unter die Bodenreform.
1955 wurde die erste LPG in Reichenbach gegründet, 1959 eine weitere LPG. Es erfolgte nun über Jahre ein systematischer Konzentrationsprozess, der das gesamte Umland (von Möhrsdorf bis Großnaundorf) einbezog und riesige Pflanzenbau- und Tierzuchtbetriebe als Ergebnis brachte. 1992 wurden diese DDR-Großbetriebe aufglöst.
In Reichenbach soll es seit 1086 eine Kirche geben. Es gibt zwar schriftliche Berichte darüber, aber keine Urkunde. Wenn dem so ist, dann ist die heutige Kirche, die vierte, erbaut 1749.
Seit 1558, also seit hier die Reformation eingeführt wurde, sind Kirchenbücher vorhanden, die von 38 ev. Pfarrern geführt wurden. Durch die Kirchenbücher ist ebenfalls seit 1558 nachweisbar, dass es immer eine Kirchenschule und Lehrer gegeben hat, die die Dorfjugend unterrichteten. Einzige Ausnahme waren bisher die Jahre 1983 - 1992, als die Kinder nach Oberlichtenau gehen mussten.

Zahlen und Fakten:

  •     1631 - 1634 wütete die Pest in Reichenbach, 267 Tote (fast das ganze Dorf)
  •     1651 wurde die Leibeigenschaft abgeschafft
  •     1854 erfolgte für die Reichenbacher die Abschaffung des Frondienstes 


Autor: Günter Thus, Reichenau